Als wir letzte Woche gemeinsam mit climBe zu Besuch bei edelrid im Allgäu waren, haben wir uns nicht nur mit dem weichen Sichern mit Seilbremsen befasst. Wir haben uns riesig gefreut, dass wir ein neues PINCH bekommen haben, um es zu testen! Das PINCH ist das neue Sicherungsgerät von edelrid mit Blockierunterstützung. Es wird voraussichtlich im Mai auf den Markt kommen. Vielen Dank an edelrid, dass ihr uns das Gerät schon vorab zur Verfügung gestellt habt. So konnten wir das PINCH testen und verraten euch schon jetzt, was euch erwartet.

Was ist das Neue am PINCH?

Als wir vom neuen PINCH gehört haben, hat uns zuerst am meisten interessiert: Was genau ist daran neu? Mit dem PINCH bringt edelrid eine echte Innovation auf den Markt der Halbautomaten: Das PINCH ist das erste Sicherungsgerät, das sich direkt in der Sicherungsschlaufe des Gurts befestigen lässt. Im Gegensatz zu allen bisherigen Sicherungsgeräten muss das PINCH also nicht mit Hilfe eines Karabiners am Gurt befestigt werden. Da wir echte Sicherheitsfanatiker sind und Redundanzen lieben, fühlt es sich für uns zunächst etwas ungewohnt an. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Gerät aus Versehen während des Sicherungsvorgangs öffnet, erscheint äußerst gering. Wir fühlen uns dennoch mit einer Redundanz wohler und nutzen zur Sicherheit einen Karabiner, der das versehentliche Öffnen verhindert. Der Mensch ist eben doch ein Gewohnheitstier ;). 

Dass sich das Gerät direkt in die Sicherungsschlaufe einhängen lässt, sehen wir grundsätzlich als einen entscheidenden Vorteil: Das Gerät hängt deutlich stabiler am Gurt. Sicherungsgeräte, die an einem Karabiner befestigt werden, lassen sich in verschiedene Richtungen bewegen. Das PINCH hingegen klappt nicht nach unten weg und lässt sich nicht zuletzt wegen des geringen Gewichts sehr gut mit Hilfe der Seilführungshand stabilisieren. Das führt dazu, dass das PINCH für die Anwendung der Gaswerk-Methode (in diesem Fall sprechen wir ab jetzt von der PINCH-Methode) nicht mit dem Zeigefinger stabilisiert werden muss. Es reicht, den Daumen zu nutzen. Somit bleiben vier Finger am Seil, was zu einer sehr guten Kontrolle des Bremsseils führt. Mehr dazu später. Schauen wir uns an, wie sich mit dem PINCH sichern lässt: 

#1 Seil einlegen

Gelernte Piktogramme weisen auf die richtige Seilrichtung. Zum Seileinlegen wird das PINCH geöffnet, wie wir das vom Grigri kennen. 

#2 Partnercheck

Wichtig vor dem Losklettern: Partnercheck nicht vergessen! Beim PINCH bringt der Partnercheck Bekanntes und Neues mit: Der korrekte Seilverlauf lässt sich gut erkennen. Was sich ändert, ist der bislang gelernte Blick auf bzw. Griff zum Karabiner. Zumindest für den Fall, dass das PINCH direkt am Gurt befestigt ist. In diesem Fall sollte sorgfältig kontrolliert werden, ob das PINCH selbst richtig verschlossen ist und korrekt in der Zentralschlaufe des Gurts hängt. 

#3 Seilausgeben/ Seil einholen

Schön öfter haben wir darüber geschrieben, dass es in unseren Augen die Tube-Methode die sicherste Methode des Seilausgebens ist. Wir greifen mit dieser Methode nicht in den Blockiermechanismus ein und haben unsere Bremshand stets geschlossen am Seil. Und so ist es in unseren Augen ein absoluter Pluspunkt des PINCH, dass das Seilausgeben mit der Tube-Methode hervorragend klappt. Selbst wenn schnell Seil ausgegeben wird, blockiert das Gerät nicht schnell. Wir konnten nahezu kontinuierlich mit der Tube-Methode Seil ausgegeben. Da das so schnell und gut funktioniert, mussten wir nicht auf die PINCH-Methode zurückgreifen.

Seilausgeben mit der Tube-Methode funktioniert mit dem PINCH sehr gut.

Wer dennoch die PINCH-Methode nutzen will, kann wie oben beschrieben außer dem Daumen alle Finger am Bremsseil behalten. Ebenso gut funktioniert das Seileinholen. Wir haben das PINCH mit verschiedenen Seilen getestet: mit alten, ausrangierten Kursseilen, mit unserem aktuellen, mittelalten Kletterseil und mit einem neuen Seil. Alle hatten einen Durchmesser zwischen 8,9 mm und 9,8 mm. Mit allen Seilen funktionierte das PINCH ähnlich gut!

Bei der PINCH-Methode bleiben vier Finger am Seil.
Das Gerät muss nicht mit dem Zeigefinger stabilisiert werden.

#4 Blockiermechanismus

Das Gerät blockiert zuverlässig, wenn ein starker Seilzug auftritt und die Bremshand das Seil hält. Das Bremshandprinzip darf natürlich wie bei allen anderen Geräten auch hier nicht verletzt werden! 

#5 Stürze halten

Bei einem Sturz blockiert das Gerät, wie wir es von gängigen Halbautomaten kennen. Für weiches Sichern benötigen wir deshalb Körperdynamik. Auch hier sehen wir einen Mehrwert darin, dass das PINCH direkt in der Gurtschlaufe befestigt wird und somit näher am Körper der sichernden Person hängt. Damit ist ein unmittelbareres Feedback über das Seil möglich. Es ist denkbar, dass dies Anfängern das richtige Timing für dynamisches Sichern erleichtert.

#6 Ablassen

Beim PINCH wird ähnlich wie beim Grigri über einen Hebel abgelassen. Wird der Bremshebel zu weit nach hinten gezogen, blockiert das System automatisch (Anti-Panik-Funktion). Diese Funktion lässt sich theoretisch ausschalten. Wir sehen hierfür jedoch keine Notwendigkeit, denn uns hat die Funktion nicht gestört. Es ist bei uns nicht vorgekommen, dass die Anti-Panik-Funktion ausgelöst wurde. Vermutlich hat das den Grund, dass das Ablassen mit dem Hebel sehr kontrolliert möglich ist. Wir konnten die Geschwindigkeit sehr gut dosieren. Dabei helfen auch die Bremsrillen aus Stahl am Gerät vorne. Zusätzlich zum Hebel kann die Ablassgeschwindigkeit dank der Rillen auch über den Druck mit der Bremshand reguliert werden. Beim Ablassen besteht so stets volle Kontrolle über das Bremsseil und das Seil krangelt so gut wie nicht. Auch hier haben wir mit allen getesteten Seilen sehr positive Erfahrungen gemacht.  

Bremsrillen am Gerät unterstützen den kontrollierten Ablassvorgang.

Weitere Vorteile des PINCH 

Auch für Linkshänder geeignet: Das PINCH lässt sich für Rechts- und Linkshänder gleichermaßen bedienen, da keine Stabilisierung durch den Zeigefinger erforderlich ist. Der Daumen kann sowohl von links als auch von rechts in der Pinch-Methode unterstützen. Lediglich beim Ablassen ist es vom Handling leichter, die rechte Hand als Bremshand zu nutzen, um mit der linken Hand den Hebel zu betätigen. 

PINCH-Methode mit linker Hand
PINCH-Methode mit rechter Hand

Flexible Verwendung: Das Gerät lässt sich nicht nur direkt in der Sicherungsschlaufe verwenden. Wer lieber wie gewohnt einen Karabiner nutzen möchte, um das Gerät zu bedienen, kann auch das machen. Wir haben auch das getestet und auch hier war das Seilausgeben gut mit der Tube-Methode möglich. Da uns die Stabilität gut gefällt, die das PINCH durch das direkte Einhängen in die Gurtschlaufe erhält, bevorzugen wir bisher diese Variante. Es kann jedoch auch Situationen geben, in denen die Flexibilität, das Gerät auch mit Karabiner nutzen zu können, sehr hilfreich ist. 

Direkte Verwendung an der Gurtschlaufe
Verwendung mit Karabiner

Einsatz bei Mehrseillängen: Das PINCH kann nicht nur zum Sportklettern in der Halle oder am Fels genutzt werden, es hat auch flexible Einsatzmöglichleiten bei Mehrseillängen. Pluspunkt: Es lässt sich in vier verschiedenen Richtungen am Standplatz einhängen, wodurch der Ablasshebel immer in eine Position gebracht werden kann, in der er sich sauber bedienen lässt. Auch das ist eine Neuerung zu bisherigen Geräten: Das PINCH ist das einzige Gerät, das vier verschiedene Richtungen (jeweils 90 Grad-Drehung) am Standplatz erlaubt. Wir freuen uns schon darauf, das bei unserer nächsten Tour zu testen.

Fazit

Ein neues Gerät, das eine echte Innovation mit sich bringt und durch gutes Handling überzeugt. Einzig die fehlende Redundanz beim Verschluss muss bei uns erst noch volles Vertrauen gewinnen. Der Karabiner für die Redundanz beeinträchtigt die Nutzung jedoch keineswegs. Das PINCH wird ab Mai für etwa 100 Euro erhältlich sein. Unser Eindruck war vom ersten Moment an sehr positiv.